Gottesdienste


Ich krieg...

Liebe Gemeindeglieder,

irgendjemand muss damit angefangen haben. Und viele müssen das irgendwie „cool“ gefunden haben. Sonst würden es nicht fast alle sagen.

„Ich krieg zwei von den Semmle...“ - am liebsten würde ich zurückfragen: „Woher wissen Sie das?“ Die Verkäuferin könnte „deine“ zwei Semmle ja auch jemandem anderen geben. Tut sie zwar nicht, denn Sie sind Kunde und haben vor, zu bezahlen - ist das aber ein Grund, die Grundregeln von Höflichkeit außer Kraft zu setzen?

Ja, irgendwie scheint es cooler zu sein, zu sagen „Ich krieg...“ als „Bitte...“ Man ist dann irgendwie stärker, als wenn man bitten muss, wie die Mama es einen mal gelehrt hat. - Was passiert aber mit der Verkäuferin, die kein „Bitte“ mehr hört, sondern nur noch, was die anderen alles so kriegen?

 

Vermutlich lässt sie es zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Aus Selbstschutz. Ich jedenfalls würde die „Krätze kriegen“. Ebenso wie die KiTa-Mitarbeiterin, der Handwerker, die Bürokauffrau, die nur noch Ansprüche zu hören bekommen und kein „Bitte“.

 

Vielleicht wird ja auch das „Danke“ bald ersetzt durch ein „Du kriegst dein Geld. Falls die Semmle mir geschmeckt haben.“

 

Gott sei Dank ist das „Danke“ noch üblich.

Und damit verbunden die Haltung, die den Anspruch noch nicht kennt. Das Getreide ist wieder gewachsen in diesem Jahr und konnte reifen und geerntet werden. Gott sei Dank!

Denn es wird von Jahr zu Jahr weniger selbstverständlich, dass Regen und Sonne zur rechten Zeit da sind und kein Unwetter die Ernte binnen Minuten vernichtet. Erntedank erinnert: Wir haben keinen Anspruch auf Brot.

Auch auf das nicht, was laut Martin Luthers „Kleinem Katechismus“ alles zum täglichen Brot gehört: „... gute Regierung, gut Wetter..., gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen“ (Gesangbuch, S. 1558-1559). Deshalb bitten wir im „Vater unser“ um tägliches Brot und danken an Erntedank und beim Tischgebet.

Und gut wäre es, auch der Verkäuferin und all den anderen doch wieder respektvoll „Bitte“ zu sagen - oder ein anderes gutes Wort. Das brauchen wir Menschen auch, wie tägliches Brot. Irgendwie hatte die Mama früher doch Recht...

 

Einen freundlichen Herbst wünscht


Die Jahreslosung für 2018:


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6


Besondere gottesdienstE

z.B. Regionalgottesdienst an Pfingsten in der Ruine Niederhaus / Fotos Fritz Steinmeier und Eigene